Genußnäherin 50plus.
Meisterin des selbstgenähten unfertigen Unperfekten.
Mein Kleiderschrank ist voll "nichts anzuziehen". Na und?

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Was sonst gerade passiert, wenn ich nicht blogge...

23. April 2021

Blick in mein Archiv (8) Juni 2014

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An dieser Stelle blicke ich ab und zu zurück in mein Archiv und stelle einen Post erneut ein.
Ich finde es schade, wenn Posts im Nirvana des Internets verschwinden.

Heute:  Erstveröffentlichung vom 12.Juni 2014



Tana Toraja und mein neues Kleid .Burdastyle 5/2014, Modell 133.

Dieses Kleid will ich!  Dachte ich.
Derzeit bin ich mir aber garnicht mehr so sicher, ob mir das Modell mit diesem Stoff gefällt.
Aber da ich den Post nun schon mal geschrieben hatte, will ich euch meine Kritzeleien auch nicht vorenthalten.

Zum  Stoff  zu will ich euch etwas erzählen. Aber zuerst zeige ich euch, wie ich mir das Kleid in etwa vorstelle.


Burdastyle 5/2014, Modell 133


Mein Stoff hat eine ganz eigene Geschichte, die ich euch erzählen möchte und die lesenswert ist.
Aus Indonesien habe ich mir einen 3-Meter-Coupon für 10 USD  mitgebracht. Wahrscheinlich für dortige Verhältnisse viel zu teuer, für mich ein guter, ja, ein sehr guter Preis, denn es ist ein Baumwoll-Seide-Gemisch in brillianten Farben mit zarten Goldfäden durchwirkt.

Indonesien also.
Genauer gesagt, aus dem Hochland der Insel Celebes , die heute Sulawesi heißt, und dort vom Stamm der Toraja, habe ich den Stoff.
Wenn man noch nie in Indonesien war, dann macht man sich über die geographischen Ausmaße dieses Landes vielleicht gar keine Gedanken....deshalb habe ich euch ein Bild mitgebracht, in dem die Karte Indonesiens auf die Karte Europas (maßstabsgleich) gelegt wurde. Ich war erstaunt. 
Das Hintergrundbild habe ich übrigens während der Fahrt zu den Toraja aufgenommen. Was hier so trübe und kühl wirkt ist in der Realität Dunst und 30 Grad Celsius. Regenwald.

Die Toraja wohnen in ganz seltsam anmutenden Häusern.  Eine Familie hat so ein Haus als Wohnhaus und gegenüber des Wohnhauses noch ein zweites so aussehendes Haus als Reisspeicher.
Als Zeugnis des Wohlstandes einer Familie werden Wasserbüffelhörner am Haus dekoriert. Je mehr, desto besser. Je mehr Büffelhörner, desto reicher der Besitzer des Hauses.
Auf einem Foto weiter unten seht ihr einen weißen Wasserbüffel mit blauen Augen. Der ist besonders kostbar. Damit das wertvolle Tier nicht ausbüchst bekommt es einen Nasenring und muß stehen. Ich weiß nicht, wann das Tier sich legen darf. Unglaublich, der Kopf muß immer hoch gehalten werden, denn sonst schmerzt es.

Reisfeld
links oben: Mausoleum, Toraja

Das Volk der Toraja pflegt einen sehr merkwürdigen Totenkult. Stirbt ein Familienmitglied, dann wird der Leichnam einbalsamiert und im Hinterteil des Wohnhauses aufgebahrt. Nun können Jahre vergehen, bis der Leichnam beerdigt wird. Warum ist das dort so?
Man sagte uns, die Toraja leben nicht um zu leben, sondern um zu sterben. Das heißt, das ganze Leben ist auf eine möglichst prachtvolle und damit kostspielige Totenfeier ausgelegt. Das kann Familien in den Ruin treiben. Und wer kein Geld hat.... der läßt seinen Toten eben zu Hause....und spart weiter.

Hat man dann genügend  Geld zurückgelegt gibt es eine Totenfeier. Je mehr Wasserbüffel geschlachtet werden, ums besser...es können bis zu 100 Büffel auf einmal geschlachtet werden...
Ich sah Fotos von einem Dorfplatz, wo die Menschen knöcheltief im Büffelblut standen. Seltsam. Nichts für zart besaitete Gemüter. 

Da ist noch nicht alles.
Wer sich kein Mausoleum leisten kann (Foto oben links), der setzt nach den Totenfeier seinen einbalsamierten Angehörigen in die Felswand und läßt ihn dann da sitzen. Damit der Tote nicht allein ist, bekommt er hölzerne Wächter an seine Seite.
Die Frau im lila Kleid ist ein Mensch. Man kann hingehen und sie berühren. Hab ich aber nicht gemacht.
Ja, und sind dann doch irgendwann nur noch Knochen da, dann legt man die Knochen auf einen Haufen (eine Ordnung/Anordnung der Knochen konnte ich nicht erkennen) und fertig.

Tja, andere Länder, andere Sitten.
Ich bin dankbar, daß ich die Toraja besuchen und sie kennenlernen durfte.
Und bevor jemand fragt (weil ich das schon gefragt wurde): Man riecht nichts. Nur frische Luft.



Nun wieder zum Stoff:
Den habe ich an einem bunten Marktstand mit Stoffen, Obst und Souvenirs gekauft.
(die großen runden Stachelfrüchte sind übrigens Stinkfrüchte und machen Ihrem Namen alle Ehre, schmecken aber gut).
Tataaaa, halt ich den Stoff doch verkehrt herum...extra für euch vor Ort geknipst und was mach ich.... .......deshalb auf dem nächsten Foto  nochmal das Motiv in Großaufnahme.

Was sehen wir auf dem Stoff?
Richtig:
Büffel und die Häuser der Toraja.


Nun nähe ich aber erstmal das Frohne-Kleid fertig. Vom nächsten Projekt träumen darf man doch aber schon mal, oder .....
Und: Nehme ich diesen Burda-Schnitt oder hat jemand von euch eine bessere Idee, um diesen Stoff in Form zu bringen?

Nachtrag im April 2021:
Dieser Stoff liegt nach wie vor im Schrank und wartet auf Verwendung. 
Mit ein paar Jahren Abstand tendiere ich dazu, ihn eher als Deko- denn als Kleiderstoff zu nutzen.

Das Schnittmuster habe ich genutzt, allerdings mit einem anderen Stoff. Ein Klick auf das Foto führt zum Post.
Einen weiteren wirklich lesenswerten Post zum Thema findet ihr hier.





10 Kommentare:

  1. Tolle Fotos. Solche Fernreisen sind wirklich toll, weil man dann einfach tatsächlich mal einen Eindruck vom anderen Ende der Welt bekommt. Der Schnitt ist perfekt für das tatsächlich genähnte Kleid. die großen Taschen sind natürlich ein toller hingucker. Ich glaube ich fände eine Kimonojacke aus diesem Stoff toll. So ähnilch wie die Modelle von Gurdun S. KLICK Die kann man mit Tüchern oder Gürteln taillieren, oder offen tragen. Ich denke da kommt der tolle Stoff einfach besser raus.
    BG Sunny

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    1. Zuerst Danke für den Link, die Musik muß ich mir bei Gelegenheit mal genau anhören. Dein Kimono gefällt mir gut, aber da wirken auch die Farben gedeckter als bei meinem Stoff. Also vielleicht näh ich mir mal irgendwann eine Kimonojacke, aber lieber aus einem dezenteren Stoff. Kommt Zeit, kommt Idee.
      Liebe Grüße!

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  2. ich glaub, ich wäre da nicht hingefahren - obwohl ich grundsätzlich gerne reise und sehr neugierig bin. aber viel zu sensibel für sowas....... krieg schon zustände, wenn ich nur fotos oder fernsehbilder von mumien oder tierquälereien sehe.
    der stoff ist allerdings superp! aber ich habe so eine ahnung, warum er wohl als tischdecke endet: was ich bisher von dir gesehen hab, so an haut & haaren, könnte es sein, dass dich die farben und starken musterkontraste erschlagen........ wobei ich sunnys kimono-idee bestechend finde - dabei könnte man auch gut den stoff durch ein ruhiges, helles "darunter", das viel von der frontansicht ausmacht, neutralisieren. oder du trägst kräftiges makeup ;-D
    zum tatsächlich genähten kleid kann ich gar nix sagen - zu verschwommen - ausser: diese farben und das muster stehen dir!
    xxxx

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    1. 😁😁, wir wußten ja auch nicht, was uns dort so ganz genau erwartet. Deine Analyse für den Stoff an Frau Nähfreundin als Kleidungsstück trifft es. Eine Kimonojacke wäre toll, aber aus diesem Stoff würde sie dann wohl als Schrankleich enden. Dann doch lieber Tischdecke oder ich laß sie als Reisemitbringsel im Schrank liegen. Wäre auch nicht die schlimmste Idee.
      Liebe Grüße!

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  3. OMG, was für eine Geschichte!!! Ohne Worte! Jaaa, andere Länder, andere Sitten!
    Ich denke, der Stoff ist zu schön, um nur als „Dekostoff“ zu nutzen.
    Wie wäre es mit einer Kafta? (https://claudialasetzki.com/alles-ueber-kaftan/) Ich denke, das Muster ist dafür ideal.
    Liebe Grüße und schönes Wochenende!
    Claudia

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    1. Ich muß nochmal darüber nachdenken. Es würde mich ärgern, wenn ich dieses Mitbringsel verpfuschen würde.
      Danke für den Link.

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  4. Liebe Susan, ich dachte auch sofort das wär ein klasse Kimono. Kann man zu vielem stylen und der Stoff ist toll! Als Du Sulawesi geschrieben hast war ich gleich Ohr ähm Auge. Ich war noch nicht in Indonesien, kenne Sulawesi aber von meinen Lieblingsreisevloggern. Falls Du Lust hast kannst Du mal schauen, die waren hautnah dabei, auch bei so einer Beerdigung. Wirst wohl einiges wiedererkennen. Geh mal reisen heisst der Kanal. Die Beiden sind überhaupt klasse und sehr unterhaltsam.
    Ich wünsche Dir ein wunderschönes Wochenende, liebe Grüße Tina

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  5. Nee, ich würde auch nichts daraus nähen. Hin und wieder als Überwurf oder als Tischdecke verwenden. Oft ist einem zu viel Musterung zu viel....
    Liebe Grüße, Angela

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  6. Toll, dass Du bei den Toraja warst... so weit war ich leider noch nicht in Indonesien! Was den Totenkult betrifft, so ist das hiesige unter die Erde buddeln ja auch nicht soooo toll. Also warum nicht? Der Stoff ist besonders, aber von den Farben her sehr stark kontrastiert und vielleicht zu kräftig/kühl/dunkel für Deinen hellen Haut- und Haartyp. Und bevor er dann im Schrank landet, lieber als besonderen Dekostoff. Das Kleid, das Du nach dem Muster genäht hast, ist allerdings sehr schön!
    Liebe Grüße, Maren

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