Genußnäherin 50plus.
Meisterin des selbstgenähten unfertigen Unperfekten.
Mein Kleiderschrank ist voll "nichts anzuziehen". Na und?

Willkommen auf meinem Blog!

Was sonst gerade passiert, wenn ich nicht blogge...

9. Juli 2020

Wir schaffen das ....nicht.

Werbung - unbeauftragt - Markennennung.
In unserem Garten brüteten in diesem Jahr Eichelhäher. 
Eichelhäher sind eigentlich Waldbewohner und deshalb zog dieses Verhalten unsere besondere Aufmerksamkeit auf sich.

Wochenlang konnten wir von unserer Gartenbank aus beobachten, wie die Vögel einen guten Platz für ihr Nest suchten, Nistmaterial zusammentrugen und das Nest dann bauten.
Man konnte das Nest nur erahnen, denn die klugen Rabenvögel wählten den Platz mit Bedacht in einem sehr dicht belaubten Zierahorn in ca. drei Meter Höhe.

Vorletzten Freitag nachmittags erfreuten wir uns erst an zwei Jungvögeln, dann später an Dreien, die auf den Ästen herumkletterten. Zur Abendbrotzeit (wir saßen ca. 3 Meter neben dem Baum) begann das Spektakel: Die jungen Vögel flogen bzw. flatterten  aus und ruhten sich nach kurzem Flug auf dem umliegenden Gebüsch aus. Eine Aufregung, besonders für die Altvögel.

Nach einer Weile traute sich auch das Nesthäkchen Nr. 4 aus dem Nest und flog.
Als wir dachten, die Sache sei vorbei, raschelte es in den Blättern und wie ein Stein kam  Nr. 5 heruntergefallen. Das Küken fiel wie ein Stein ins Gras, strampelte sich mit dem Kopf nach oben, schloß die Augen und blieb regungslos sitzen.
Nachbars Katze in Sichtweite.

Was bleibt einem weiter übrig, als das kleine Geschöpf vor den Gefahren der Welt zu retten?


Mein Mann nahm das Kleine auf. So winzig. So zart. So weich. Man hat Angst, ihm weh zu tun.
Aber egal, es ist erstmal sicher vor der Katz.
....so guckt man, wenn man das erste Mal einen Menschen sieht....

Was nun?
Zuerst setzten wir den Vogel auf den Baum zurück, damit die Vogeleltern ihn sehen und versorgen.
Da saß er nun und ruckte sich nicht von der Stelle....der kann noch nicht fliegen!!!
Der kann noch nicht einmal - so wie seinen älteren Geschwister am nachmittag - auf dem Baum herumklettern, geschweige denn fliegen. Der kann nur sitzen und gucken.
Also holten wir ihn wieder herunter.

Das kleine Vögelchen war  kein sogenannter  Ästling, es war noch ein Nestling. Das erschwert die Vogelrettung erheblich.

Um Himmels Willen, was nun?

Wir haben noch einen alten Vogelkäfig von unserem verstorbenen Wellensittich. Da konnte er erstmal bleiben.
Ein Körbchen diente als Nest.
Zuallererst hatte ich das Körbchen mit trockenen Blättern und Heu gepolstert, ganz nach Vogelart, später nahm ich einfach Klopapier. 



Wer noch wachsen muß, muß fressen.
Ei ist immer gut.
Also erster Versuch der Fütterung mit gekochtem Ei .
Später hatte ich Rührei mit etwas Honig, das hat ihm gut geschmeckt.

Kleine Eichelhäher sind keine Vegetarier...der Sohn besorgte im nahe gelegenen Fachhandel feinste Mehlwürmer. Die werden lebend gefüttert. Was tut man nicht alles.....



Wie man sehr gut sehen kann, hat der Kleine noch keine gut ausgebildeten Schwanzfedern...so kann man doch nicht aus dem Nest fallen, geschweige denn ausfliegen wollen....

Meinem Sohn war es zwischenzeitlich gelungen, den Lockruf der Vogeleltern zu imitieren....kurzes hörenswertes Video....



Wie soll das nun weitergehen?
Unsere Familie war sich sofort einig, daß wir dem Kleinen helfen, bis er flügge ist.
Alle Möglichkeiten bis zum Bau einer Voliere spielten wir in Gedanken durch, denn im kleinen Vogelkäfig würde er sich über kurz oder lang die Flügel verletzen.

Am Montag nach diesem aufregenden Wochenende rief ich bei der Wildvogelhilfe (klick) an und erkundigte mich, mit welchem Futter so ein Findling am besten versorgt werden wäre. Die Liste war lang.....Rührei mit Honig, aber kein gekochtes Ei, auf keinen Fall Kartoffeln, dafür in kleinen Portionen alle Arten einheimischen Obstes. Vergiß die Banane. Die vorhandenen Mehlwürmer allein reichen nicht, es müssen auch andere Insekten sein. Am besten lebend. Dazu Rinderhack, Hühnerherz, Körnermischung und ein Vitaminpräparat vom Tierarzt. 
Alles o.k.. Kaufen wir alles  und wenns sein muß füttern wir auch andere lebende Insekten. Wat mut, dat mut.

Klein Harri hat Hunger!
Klein Harri mit "i" war ein Eichelhäher. Der lateinische Name lautet "Garrulus glandarius".
Daraus hat der Sohn ein kurzes "Garri" und dann ein "Harri" gemacht, auch geeignet für "Harriette"...man weiß ja nie...

Bis dahin schien uns alles machbar. Auch die ständigen Fütterungen hätten wir bis August, denn erst dann dürfen die Jungvögel ausgewildert werden, organisiert.

Sehr nachdenklich machte uns die Erkenntnis, daß vom Menschen aufgezogene Rabenvögel fehlgeprägt werden. Das heißt,  daß der Jungvogel vergißt, daß er ein Vogel ist....

Zwei uns bekannt gewordene Beispiele:
Der erste Vogel setzte sich bei seinen Pflegeeltern auf den Kinderwagen. Später tat er das auch bei fremden Kinderwägen.....
Der zweite Vogel durfte sich auf den Hund seiner Pflegeeltern setzen....das behielt er im späteren Leben bei, allerdings auch bei fremden Hunden.

Das schaffen wir ...nicht.
Am Montag nachmittag setzten wir Klein-Harri schweren Herzens in einen Karton und fuhren zur Auffangstation.
Dies ist das letzte Foto von ihm....


...in Garten gefundene Federn...


Genau eine Woche später am Montag ist Klein-Harri frühmorgens gestorben.
Keiner weiß warum....

Ich bin traurig, auch wenn es "nur"ein kleiner hilfsbedürftiger Vogel war.
Er  war er mir sehr ans Herz gewachsen.
Man glaubt gar nicht, wie man sich an ein so ein kleines Tier gewöhnen kann.

14 Kommentare:

  1. doch - ich glaube dir sofort, wie sehr man sich an so ein wesen gewöhnen kann!
    schade, dass er es nicht geschafft hat. wie es aussieht, war er sehr unterentwickelt im gegensatz zu seinen geschwistern. das holen die tiere dann selten wieder auf.....
    aber ihr habt euer bestes getan! ich bin ganz gerührt von eurem engagement!
    xxxx

    AntwortenLöschen
  2. Das ist ein trauriges Ende. Der Kleine hat es leider nicht geschafft. ihr habt euch solch große Mühe gegeben. Nun ist das Vögelchen in der Auffangstation gestorben. Euer Kummer wäre sicher noch größer, wäre es zu Hause passiert.
    Liebe Grüße

    AntwortenLöschen
  3. Oooch, ist das traurig :0( der Kleine sah so gut aus! Aber ihr habt das richtige getan! schön das man es wenigstens versucht, so ein tier kann einem auch in kurzer zeit echt ans herz wachsen...hab noch ein schönes Wochenende und ganz LG aus Dänemark, Ulrike :0)

    AntwortenLöschen
  4. Ach nein wie traurig. Er sah so munter aus. Ihr seid großartige Menschen, dass ihr euch so gekümmert habt. ❤️
    Liebe Grüße Tina

    AntwortenLöschen
  5. Ich glaube das sofort, denn wenn man sich für etwas engagiert, ist es egal, ob Mensch oder "nur" ein Wildvogel. Ich wär ehrlich gesagt auch traurig an Eurer Stelle, ist doch klar. Eine Freundin von mir ist mal nachts um drei einen ziemlich langen Weg zurückgefahren, wegen einer verletzten Maus, die sie zuerst liegengelassen hatte. Da kann man den Kopf schütteln, aber sowas gehört zum Menschlichsein dazu. Toll, dass Ihr Euch so gekümmert habt.
    Liebe Grüße, Maren

    AntwortenLöschen
  6. Oh, das sit wirklich eine am Ende traurige Geschichte, dabei fing es so gut an ...
    Ich bin aber auch sicher, daß der kleine Piepmatz die Zeit bei Euch gemerkt hat, daß ihr Euch mit viel Liebe um ihn sorgt ...
    ♥️ Allerliebste Grüße, Claudia ♥️

    AntwortenLöschen
  7. Sehr traurig, aber ihr habt es versucht.
    LG von Susanne

    AntwortenLöschen
  8. Hallo Nähfreundin,
    die Aufzucht von Jungvögeln ist nicht einfach, vieles regelt Mutter Natur.
    Bei Familie Storch werden die kleinsten oft abgeworfen oder sogar auch verspeist-Kronismus.
    Wenn jedoch die Fütterphase aktiviert ist, wird alles gefüttert was im Nest sitzt. Auch die Nachbarskinder.
    sehr gut beschrieben unter
    https://storchennest-hoechstadt.de/live-cam
    manchmal sitzen dort neun Störche im Nest.
    Danke für den Bericht vom kleinen Eichelhäher und die Bilder.
    LG von Conny

    AntwortenLöschen
  9. ach wie schön und doch auch traurig.
    auch so ein kleiner Pieps ist Leben pur und eine Meisterleistung von Mutter Natur.
    danke, dass ihr nicht weggeschaut habt.
    habt ihr ihn nach Bad Elster gebracht?
    ich unterstütze Corinna Heinrich seit 2 Jahren immer wieder mal - zumindest finanziell.
    liebe Grüße
    Manu, die grad auch bissel traurig ist wegen dem Pieps

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, wir haben ihn nach Bad Elster gebracht.
      Ich finde es sehr gut, daß Du dort finanzielle Hilfe leistest. Da ist das Geld in guten Händen.

      Löschen
  10. So ein süßer Kerl. Ich weiß von unserem Tierarzt, dass "die Alten" ein "rausgefallenes" Küken wieder nehmen, wenn es stark genug ist um zu überleben. Diese haben wohl erkannt, dass er es nicht schaffen wird. Die Natur ist wirklich grausam. Ihr habt alles menschenmögliche getan. Aber das kann auch manchmal leider nicht reichen. Sei nicht zu traurig. BG Sunny

    AntwortenLöschen
  11. Hallo
    das ist aber eine traurige Geschichte - und ihr habt Euch so viel Mühe gegeben. Aber alles kann leider nicht gelingen.
    Wünsche Dir viele schöne Momente und alles Liebe
    Gerda
    https://gerdajoanna.blogspot.com/2020/07/gerda-allein-auf-der-schwabischen-alb.html

    AntwortenLöschen
  12. Das tut mir sehr leid. Natürlich wächst einem so ein kleiner Vogel sofort an Herz. Das finde ich völlig normal. Die Natur kann ganz schön grausam sein. Da kann ich Sunny nur zustimmen. Es ist einfach nur traurig.
    Ich wünsche Dir trotzdem einen schönen Sonntag mit positiven Gedanken ♥
    LG
    Ari

    AntwortenLöschen
  13. Och, das ist ein trauriges Ende. Schade!
    Er sah bei euch glücklich und zufrieden aus.
    Wir hätten mit Sicherheit auch alles versucht, dem Kleinen zu helfen.
    Gelingt leider nicht immer, aber ich finde es sehr schön, dass ihr es versucht habt.

    LG Chrissi

    AntwortenLöschen

Was meinst Du dazu?
Auch konstruktive Kritik ist mir jederzeit willkommen. Danke dafür!
Aus gegebener Veranlassung behalte ich mir vor, anstößige Beiträge kommentarlos zu löschen.

Wenn Sie auf meinem Blog kommentieren, werden die von Ihnen eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. Ihre IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu finden Sie in meiner Datenschutzerklärung (https://naehfreundin.blogspot.de/p/rechtshinweise.html) und in der Datenschutzerklärung von Google (https://policies.google.com/privacy?hl=de)
Es besteht die Möglichkeit, Kommentare auch anonym zu verfassen.