5. September 2016

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Das rote Jerseykleid. Das mit den Punkten. Burda 07/2004, Modell 109. Ein Nähkrimi.

Während der Sommermonate fehlt etwas: Die wöchentliche Inspiration durch den MMM!!
Auch in den Nähblogs herrscht gefühlt der Sommerschlaf.
Zum Glück geht es heute wieder  mit einem neuem Design auf dem MMM-Blog los. Es gefällt mir.

Aber nun zu meinem Lieblingskleid aus dem Sommer 2016, das ich heute aufgrund der zu erwartenden hohen Temperaturen nochmal tragen kann.



Ich nähte das Jerseykleid Modell 109 nach einem Schnitt aus der Juli-Burda von 2004. 

Genau dieses Modell habe ich schon einmal genäht, das kann vor ca. 10 Jahren gewesen sein. Damals benutze ich einen Kenzo-Jersey , den ich im Onlineshop von Sabine Gegenheimer (exclusise-stoffe.de) gekauft habe. Erinnert ihr euch auch an Sabine, die ja leider vor einigen Jahren verstorben ist, und an den Kenzo-Jersey?


Bildquelle:Burda 07/2004, Modell 109

Schnitt nochmal abgepaust, denn das, was mir im Jahr 2004 passte, paßt leider nicht mehr. Das Modell ist sowieso nicht figurfreundlich, da es an der Problemzone Bauch anliegt. Also muß zwingend ein Futter drunter!

Der Zuschnitt:
Längs? Oder Quer? 
An einer Seite der Stoffbahn liegen dicke weiße Punkte, hin zur anderen immer dünner werdende Punkte...

Erste Änderung beim Zuschnitt:
Damit das Kleid an der kürzeren Seite das Knie bedeckt, habe ich 12 cm an allen Säumen zugegeben.


Ich will euch noch schnell die Bilder vom 10 Jahre alten Kleid zeigen...damals noch komplett auf der Haushaltsnähmaschine genäht und mit Zickzackstich versäubert.


Beim Zuschnitt stand die Frage, wie ich das Futterkleid nähen werde.
Einzeln zum daruntertragen , nur mit Spaghettiträgern?
Oder als separates Kleid nach dem gleichen Schnitt wie das Oberkleid ? Diese Variante habe ich sofort wieder verworfen, da sicherlich das Futterkleid am Ausschnitt zu sehen wäre.

Aber ich könnte das Kleid in doppelter Lage verarbeiten und nur an den Ausschnitten befestigen. Und genau so habe ich das auch gemacht.

Also nochmal: Alle Teile, die ich gefüttert haben möchte, auch aus Futterstoff zuschneiden. Oberstoff und Futterstoff aufeinanderlegen und dann als eine Lage weiterverarbeiten.
Aber Vorsicht! Das Futterteil soll nur an den Ausschnittkanten angenäht werden, nicht an den Seitennähten.

Nächster Arbeitsschritt:
Beide Stofflagen werden mit einem zur Hälfte gefalteten Besatzstreifen an den Armausschnitten und am Halsausschnitt, wie auf dem Foto zu sehen, zusammengenäht.

Als Maß habe ich eine Füßchenbreite genommen.
Nahteinstellung wie auf dem Foto zu sehen.





Nun ist der Ausschnitt dran:

Zuerst reihe ich den Ausschnitt an der vorgegebenen Stelle auf die entsprechende Länge ein.
Nun schneide ich das auf das eingereihte Teil aufzusetzende Teil zu.

Auf eine Seite bügle ich Vlieseline wegen der Stabilität und damit mir beim Nähen nicht alles verrutscht. Ich nahm ganz normale 180er, bei diesem kleinen Teil muß die Dehnbarkeit ja nicht erhalten bleiben. Es gibt aber auch spezielle Vlieseline, die man für Jersey nutzen kann. Leider weiß ich jetzt die Nummer nicht.

Zwei Teile, rechts auf rechts, mit der Nähmaschine gesteppt wie auf dem Foto zu sehen. eine kleine Stelle zum wenden offen lassen, die Nähfäden etwas länger lassen und damit die offene Stelle nach dem Wenden von Hand schließen. Nahtzugaben zurückschneiden, wenden, bügeln.
Das Papierschnittteil verwende ich als Schablone.





Nächster Arbeitsschritt:
Das eben gefertigte Teil wird auf die zuvor eingereihte Stelle aufgenäht.
Klingt einfach und ist auch einfach.
In der Realität habe ich zweimal getrennt, weil die Naht schlecht aussah.
Jetzt ist es gut.

An dieser Stelle mußte ich darauf achten, daß ich den noch nicht komplett genähten Ausschnitt, also die Besatzstreifen, nicht mit erfasse.


Nun die Innenseite des Ausschnittes:
Zuerst die eingereihten Zugaben zurückschneiden (auf dem Foto noch nicht geschehen) und dann von innen ein weiteres Teil mit Handstichen zur Versäuberung aufsetzen.

Nun nähe ich die einzelnen Teile 4-fädig mit der Overlock zusammen.
Zuerst die Teilungsnähte im Vorderteil, dann im Rückenteil.

Damit die Teilungsnähte auch gut aufeinanderpassen, stecke ich mir vor dem Nähen Stecknadeln an die gewünschte Stelle, nähe dann langsam heran und achte darauf, daß die Nähmaschinennadel genau über den Kreuzungspunkt der Stecknadeln näht. Aufpassen, die Stecknadeln vorher rausziehen, sonst wird das Messer stumpf.
Wer keine Overlockmaschine hat, der näht mit schmal eingestelltem Zickzackstich und versäubert die Nahtzugaben ebenfalls mit einem schmalen Zickzackstich oder aber einem speziellen Overlockstich. Das geht genauso gut, dauert aber ein bißchen länger.

Die nächsten Schritte sind schnell erklärt:

Als erstes den mit Besatzstreifen versäuberten Halsausschnitt vollenden, daß heißt umbügeln und füßchenbreit absteppen.

Als Nächstes Zusammennähen des jeweils gedoppelten Vorder- und Rückenteils an der Schulternaht.
Die Schulternaht liegt nicht auf der Schulter, sondern ist ins Vorderteil verlegt.

Im Internet nach passendem Ripsband suchen, bestellen, hoffen, daß die Farbe paßt und warten bis es endlich da ist.

Vor dem Nähen der Schulternaht darauf achten, daß die Nahtzugabe entsprechend breit sind, denn das Ripsband muß eingezogen werden.

Die Bilder erklären es.

Als das erledigt war, habe ich noch Ruckzuck die Seitennähte geschlossen.
Dabei darauf achten, daß die Nahtzugaben zueinander liegen, daß heißt Oberstoff Nahtzugabe nach innen (logisch) und beim Futter Nahtzugabe nach außen .

Die erste Anprobe gleicht einer Schockstarre:
Es ist zu eng.

Der Kommentar meines Mannes: "Ein schönes Kleid hast Du dir genäht, aber wenn Du das anziehen willst, mußt Du erstmal abnehmen."
Weiß ich selber. Doch bis ich abgenommen habe, und dann noch an der richtigen Stelle....ich will das Kleid jetzt anziehen.

Außerdem habe ich extra ein Futter eingenäht, damit das Kleid besser fällt.


Wer mich kennt und evtl. schon länger auf meinem Blog mitliest, der weiß, daß ich mich mit so etwas nicht zufrieden gebe,

z.B. bei Vogue 1381, ein Nähkrimi in Reinkultur:

http://naehfreundin.blogspot.de/search?q=1381


Wie sagte schon meine Oma vor Jahrzehnten, als meine Kinderhose zu eng wurde: "Da müssen wir einen Keil einsetzen!"

Tja, gedacht, übriggebliebenen Stoff gesichtet, zwei größtmögliche keilförmige Stücke zugeschnitten und..........tataaaa....eingesetzt.

Es klingt banal, aber ich habe tatsächlich in der rechten und linken Seitennaht einen langen Keil eingesetzt. 
Warum abnehmen, wenn ich das Kleid weiter machen kann?!?!?!

Nun ist es zwar nicht mehr das Original , aber dafür mein Original.




Nun aber fix noch den Saum genäht.
Damit er sich schön wellt, habe ich einen ganz schmale Zickzackstich gewählt.





Fertig.
Paßt wackelt und hat vor allem Luft.

Hier noch einmal den Vorher-Nachher-Vergleich, also mit und ohne Keil:















Auf dem nächsten Foto seht ihr eine kleine Nähschwäche: Ich habe nämlich nicht exakt gleichmäßig eingereiht. Das Ergebnis sind verzogene Fältchen und das merkt man beim Tragen. Ist aber nicht schlimm.

Ein kurzer Blick ins Innenleben des Kleides:
Für ein längeres Futter hätte ich das Wirkfutter stückeln müssen. Da eine längeres Futter für meinen Zweck nicht notwendig war, aber ich es hierbei belassen.

Last but not least:
Die Tragebilder an der Frau...




Ich hoffe, ihr hattet ein bißchen Freude an diesem doch längeren Post und wünsche euch noch eine paar schöne warme und sonnige Tage im August. Genießt die Zeit, der Herbst kommt schneller als uns lieb ist...
Schere

10 Kommentare

  1. na wenn das mal nicht clever gelöst ist!
    ich bin zwar nähtechnisch absolut talentfrei (glaube ich zumindest), aber schwer begeistert von deinem Kleid!
    ich würde meinen, so ist es auch viel öfters tragbar, es hat nicht mehr den festlichen Charakter, sondern eher ein tolles Sommerkleid ..... super!!!!
    liebe Grüße aus der Nachbarschaft
    Manu

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  2. Genial gelöst und ich finde optisch siehst du in der Version mit Keilen viel schlanker aus! Tolles Kleid, so sommerlich leicht, aber auch elegant. Der Stoff ist richtig toll.
    Liebe Grüße,
    yacurama

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  3. Mir gefällt die Lösung mit Keilen fast besser wie das Original. Sie ist stimmig und sieht keineswegs nach "Notlösung" aus.
    Es steht Dir jedenfalls ausgezeichnet!

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  4. sieht suuper schön aus das Kleid. Oft wird die Kreativität erst richtig geweckt, wenn es eng wird ;) also wenn ein Fehler passiert - und das Ergebnis ist umwerfend! Viel schöner als das Original!

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  5. Wow very nice!!!

    http://sbr-fashion-fashion.blogspot.com/

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  6. Ich finde mit Keil sieht es noch viel viel schöner und raffinierter aus, gerade, weil es so ein interessanter Musterjersey ist. Klasse, das du dran geblieben bist. Tolles Kleid!

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  7. Gut gerettet! wäre schade um das schöne Kleid gewesen. Rot steht Dir sehr gut! LG Kuestensocke

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  8. So ein super Kleid, hat sich gelohnt weiter zu verbessern. LG Anja

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  9. Super gelöst! So gefällt mir das Kleid sogar noch besser.
    LG, Andrea

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  10. Das Kleid ist zauberhaft geworden und steht dir hervorragend. Ich mag den Stoff sehr.
    Liebe Grüße
    Judith

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