Herzlich willkommen!

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13. Mai 2016

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Sag mal, trägst Du schwarz?

Diese Frage stellte mir meine Mutti kurz nachdem mein Vati verstorben war.
Ja, ich trage schwarz, aber nicht wegen der Trauer, sondern weil ich schon immer viel schwarz getragen habe. Um zu trauern, brauche ich keine Farbe. Meine Trauer und Liebe trage ich im Herzen.

Meine Mutti trägt schwarz in der Trauerzeit. Sonst trug sie NIE schwarz. Nie.

Vor vielen Jahren habe ich  diese Bluse  nach dem Schnitt Modell 103 B aus der Burda 10/2005 für mich genäht.
Ein toller Stoff, ein Seiden-Baumwoll-Gemisch. Ausbrenner. Aber total blöd zu nähen.
Ich erinnere mich daran, welche Probleme das Nähen (und Trennen) der Knopflöcher bereitete....aber egal, die Bluse ist ja fertig. Mir war die Bluse immer ein bißchen zu eng, deshalb hing sie im Schrank. Nun habe ich sie meiner Mutti gegeben, die sie wirklich gerne trägt.

Bildquelle: Burda


Achja, meine Mutti genießt die ersten Sonnenstrahlen im Mai. Es wäre so schön, wenn auch der Vati das erleben könnte. Er hat so lange Zeit und so tapfer gegen den Krebs gekämpft. Verloren haben wir alle.
Paßt auf euch auf und macht heute noch irgendetwas Schönes, damit der Tag nicht umsonst war!


 Zuletzt noch ein Ausflug in die Geschichte.

Wie war das denn früher mit der Trauerkleidung? Wer mußte was und wie lange tragen?

Dieser Text ist schwierig zu lesen, also nur etwas für diejenigen, die das wirklich interessiert.
Lesenswert ist allerdings die Tabelle, in der Fristen für die Trauerzeit genannt sind. Also ich bin froh, daß ich hier und heute lebe, auch wenn nach meiner Meinung früher nicht alles schlechter war .

Quelle: "Ich kann schneidern", Verlag Ullstein & Co, Berlin und Wien, 1908
Quelle: "Ich kann schneidern", Verlag Ullstein & Co, Berlin und Wien, 1908
Quelle: "Ich kann schneidern", Verlag Ullstein & Co, Berlin und Wien, 1908
Quelle: "Ich kann schneidern", Verlag Ullstein & Co, Berlin und Wien, 1908
Bezüglich der Lederjacke meines Vatis (hier gebloggt)  habe ich beschlossen, diese im Laufe des Somemrs erstmal sorgfältig aufzutrennen. Das ist eine Arbeit für draußen, denn diese Fusselei muß ich nicht im Haus haben. In der Zeit werde ich mal nach einem guten Schnitt Ausschau halten. Danke an dieser Stelle  nochmal für eure Meinungen zu diesem Thema.

Und nun begebe ich mich zu meiner Blogrunde beim heutigen MMM .

Seid lieb gegrüßt und habt einen schönen Tag!
Schere

6 Kommentare

  1. Ein sehr interessanter Post und der Schnitt der Bluse ist sehr schön mit den langen Abnähern vom Saum aus. Ja es ist gut, dass wir heute die Dinge in Sachen Trauerkleidung nicht mehr so streng geregelt haben. Früher als die Familien sehr groß waren und die Lebenserwartung geringer gab es vermutlich recht häufig Trauerfälle. Die Trauerkleidung half aber sicher auch vielen Menschen, sich in der schwierigen Zeit zurecht zu finden, die aus der Trauer im Herzen rührt. Wer bunt gekleidet ist, hat unter Umständen Mühe seinen Gemütszustand zu erklären oder irritiert die Umwelt wenn man sich nach innen gekehrt verhält statt unbeschwert und fröhlich zu sein. LG Kuestensocke

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    1. Jeder geht eben anders mit seinen Gefühlen um, der eine mag welche zeigen, der andere nicht.
      Danke und liebe Grüße!

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  2. Sehr interessant! Ja, ich bin auch froh, hier und heute zu leben. Obwohl.... ;)
    Als meine Großmutter gestorben - plötzlich und unerwartet - hat mein Großvater auch kein schwarz getragen. Obwohl er sehr getrauert hat, und das immer noch tut. Ja, bei der Beerdigung waren alle schwarz gekleidet, aber danach nicht mehr. In unserer Familie hielt es sich immer in Grenzen mit dem Schwarz. Meine Ur-Großmütter waren allerdings alle noch von der alten Schule und stets dunkel gekleidet.
    LG, Sandra

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    1. Ich habe auch nur am Tag nach dem Tod beim Bestatter schwarz getragen und dann nochmals auf der Beerdigung. Meine Mutti will im Sommer wieder ihre normalen Sommerkleider tragen. Ich finde das auch gut so. Wenn ich an meine Kindheit in den 1970ern denke, fallen mir sofort einige alte Mütterchen ein, die immer in schwarz oder grau gekleidet waren. So schön war das nun auch nicht.
      Danke.

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  3. auch wenn der anlass ein sehr trauriger ist, so ist die bluse doch ein tolles teil. war bestimmt auch schwierig zu vernähen. und wie du da knopflöcher reinbekommen hast, würd mich ja mal interessieren.
    ich bin auch froh, dass diese kleidungsordnung heute nicht mehr existiert. wenn ich es mir wünschen kann, dann wärs mir am liebsten, alle kämen knallebunt zu meiner beerdigung und würden die gemeinsam erlebte zeit feiern.
    glg
    molli

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    1. Die Knopflöcher...die waren, soweit ich mich erinnern kann (ist ja schon ein paar Jahre her, als ich diese Bluse nähte) wirklich schwierig. Soweit ich weiß, hatte ich festere schwarze Vlieseline als Einlage verwendet und ich mußte auch einige Male trennen. Was lange währt, wird gut ;-)

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Über Kommentare freue ich mich immer. Auch konstruktive Kritik ist jederzeit willkommen. Danke!