7. April 2016

Panama. Der Hut. Der Echte! JIPIJAPA.



Ein echter Panamahut ist umso wertvoller, je dichter gewebt er ist. Am besten hält man den Hut gegen die Sonne und schaut, wieviel Licht durch das Gewebe hindurch fällt....je weniger Sonnenlicht, desto besser.


Eingangs möchte ich auch gleich die Preise nennen: Mein Hut( hier klicken) und auch der meines Mannes haben jeweils 25 USD gekostet. Unser Fahrer erzählte, daß der teuerste Hut den er jemals gesehen hat,  einen Preis von 1600 USD hatte. Nun ja. Dafür, daß so ein Hut doch bald verschwitzt ist und bei der erstbesten Gelegenheit sprichwörtlich vom  Winde verweht werden kann....mir reicht die einfachste Variante.
Meinen Hut bewahre ich nun hier zuhause in Deutschland nicht zusammengerollt in der kleinen Holzkiste auf , die eigentlich für die Aufbewahrung  gedacht ist.
Man sagte mir, daß aufgrund der geringeren Luftfeuchte in Europa das Gewebe schnell austrocknet und man deshalb den Hut "aufgefaltet" aufbewahren soll. Und genau das tue ich. Mittlerweile habe ich auch das Gefühl, daß sich der Hut trockener und steifer anfühlt als in den Tropen.
Was kann ich tun?
Sobald unsere Hüte wieder getragen werden sollen werden wir diese mit Aquadest ordentlich einsprühen und dann unter einem Tuch in Form bügeln.
Nun wißt ihr auch, warum ich euch meinen Hut nicht eingerollt in der Kiste zeigen kann.



Aber ich kann euch zeigen, wo und wie ein solcher Hut gewebt wird.
Wenn man in das kleine Städtchen Montecristi in Ecuador fährt, steht eingangs am Kreisverkehr diese Statue....diese zeigt die typische Körperhaltung der Hutweberinnen.
Ja, Regenzeit! Es ist warm, so um die 30 Grad, aber es nieselt.
 
Echte Panamahüte werden aus feinem Toquillastroh gewebt. Der wissenschaftliche  Name der Pflanze ist: Carludovica palmata. Ich merke mir schlicht: Panama-Hut-Pflanze.
Nach der Ernte teilen die Frauen die Pflanzenfasern. Je feiner die Faser, desto wertvoller später der Hut.

Diese dann geteilten Fasern werden gewaschen, gekocht und später im Schatten zum Trocknen  und Bleichen aufgehangen. Getrocknet wird zwingend im Schatten, denn sonst werden die Fasern spröde, trocknen aus und brechen.
Es dürfen nur die Fasern zum Weben verwendet werden, die keinerlei Restfeuchte enthalten. Auch das würde die Qualität beeinträchtigen.


Ideal haben es da die Arbeiter, deren Häuser auf Stelzen stehen, denn sie können die Pflanzenfasern unter ihren Häusern aufhängen.
Das Weben der Hüte ist traditionell Frauenarbeit.
Man beginnt in der Mitte und webt immer im Uhrzeigersinn.



Sobald der Hut seine Form bekommen soll, legt man den Hut auf den dreibeinigen Flechthocker. Die Arbeiterin legt sich dann auf den zu flechtenden Hut und arbeitet permanent in dieser Körperhaltung...das sieht unbequem aus.....und ist es sicherlich auch....
Ist der Hut soweit fertig, dann wird ein kleiner Rand geflochten.
Nun wird der ganze Hut gewaschen und getrocknet, dann mittels einer Art Hammer  in Form gefklopft und zuletzt gebügelt.
 
Fertig zum Verkauf!
 

Und so läuft das bei uns ab, wen ein Foto gemacht wird: einfach draufhalten und gucken was passiert ;-)



fotografiert in Manta, Ecuador


Kommentare:

  1. Wow, sehr interessant! Was für eine Handarbeit! Hast du anschaulich dokumentiert. Danke!
    Schöne Grüße
    Diana

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  2. Sehr spannend! Vielen Dank für die Fotoreportage. LG Kuestensocke

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  3. Hallo Susan,
    mein Mann besitzt auch zwei echte und hochwertige Panama-Hüte (ich trage ruhig auch diverse Kopien, mir ist das nicht so wichtig ;-)) und wir legen unsere Hüte regelmässig bei starkem Regenwetter und der damit verbundenen sehr hohen Luftfeuchtigkeit immer nach draussen auf unserem überdachten Balkon. Der Hut nimmt dann diese hohe Luftfeuchtigkeit auf und das kommt dem Material sehr zu gute. Ausserdem bleibt so die Passform sehr gut erhalten. Dies machen wir übrigens mit fast all unseren Hüten (auch denen aus Wolle usw.), dass hat uns mal ein Inhaber eines Hutfach-Geschäftes geraten, denn sonst verändert sich auch die Passform mit der Zeit und der Hut sitzt nicht mehr wie gewohnt.
    Ich finde es sehr interessant zu sehen, wie diese gearbeitet werden. Ich habe mal darüber erfahren, dass der Preis dieser Hüte sich nicht nur nach der Dichte, sondern vor allem auch danach richtet, wie der Anfang oben im Hut verknüpft ist. Es gibt angeblich nur noch wenige, die dieses Handwerk so richtig gut beherrschen (jedenfalls für die im hohen Preissegment).
    Sehr schöne und interessante Urlaubsbilder!
    Liebe Grüsse von Sabine

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    1. Danke Sabine!
      Ja ich glaube auch gehört zu haben, daß sich der Preis der Hüte unter anderem auch nach der Verknüpfung am Anfang richtet. Naja, ich bin ja kein Experte in diesen Dingen....
      Danke für deinen Tip mit dem Regenwetter. Das werde ich unbedingt ausprobieren, denn mein Hut hat es nötig.

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