8. September 2015

Tweed. Klassisch. Zeitlos. Schön. Etwas fürs Leben.




Vor meiner Reise nach Schottland hatte ich schon von Harris-Tweed gehört, mich jedoch bis dahin nicht näher informiert, was es damit auf sich hat.
Tweed. Was ist das eigentlich?
Tweed leitet sich aus dem schottischen Wort "tweel" ab. Englisch "twill".
Tweed bezeichnet eine spezielle Webart, nämlich die strapazierfähige Köperbindung mit dem schrägen Webbild. Tweed ist reiner Wollstoff aus Streichgarn.
Streichgarn, Kammgarn...die Kurzerklärung  findet ihr ganz unten in diesem Beitrag.
Im Gegensatz zu anderne Wollstoffen wird für die Verarbeitung zu Tweed nicht das zu verwebende Garn, sondern die Wollfaser gefärbt, bevor sie versponnen wird. So entsteht ein interessantes Garn, welches bis zu zwei Dutzend verschiedene Farbtöne enthalten kann. Nachdem die Fasern versponnen wurden, werden sie zusätzlich verzwirnt. So kommt es, daß das Material für Tweed besonders reißfest und damit strapazierfähig wird.
Aufgrund seines hohen Wollfettgehaltes (Lanolin) ist er auch wasserabweisend. Er trotzt Wind und Wetter!
Diesen Stoff schätzte früher besonders die Landbevölkerung für Arbeitskleidung aufgrund seiner langen Haltbarkeit. Der englische Landadel lernte den Stoff zu einer späteren Zeit schätzen .
In den 1950er Jahren sorgte Coco Chanel mit ihrem berühmten Chanelkostüm für Furore. Dreimal dürft ihr raten, aus welch edlem Stoff das erste Chanelkostüm war.
Zurück zum Tweed.
Ursprünglich kommt der Stoff aus dem rauhen Schottland, aber auch in Irland  wurde er schon früh gefertigt.
In einem meiner letzten Posts (klick hier) erzählte ich euch von der Weite der schottischen Landschaft und den kleinen weißen Punkten darin, den Schafen.
Diese Schafe, wenn sie als Lieferant für  Wolle dienen, sind meist Blackface-Schafe.
Nun konkret zum Harris-Tweed.
Harris Tweed kommt aus dem schottischen Hochland. Dort sieht es so aus wie auf dem Foto....
Ich bin bis dahin gekommen, wo der gelbe Pfeil auf der Karte hinzeigt. 

 Harris-Tweed in seiner einmaligen Art wird noch heute von Hand auf der Äußeren Hebriden hergestellt. Genau gesagt auf Harris und Lewis. Der rosa Pfeil auf der Karte zeigt auf Harris. Ich gehe mal davon aus, daß es "drüben" auf der Insel genau so rauh ist, wie an der Atlantikküste gegenüber, also da, wo ich zu Besuch war.
Auf den Inseln wird gefärbt, gesponnen und von Hand gewebt. Vielleicht macht das den Harris-Tweed vergleichsweise teuer? Wer sich die einzelnen Musterungen und Farben von Harris-Tweed einmal genauer ansehen mag, dann einfach mal eine Suchmaschine mit dem Begriff "Harris Tweed kaufen" befragen. Ich möchte hier keinen Link legen, fand es aber interessant und informativ.
Wie wird Tweed nun konkret hergestellt?
Zuerst wird die Rohwolle nach der Schur gewaschen und nach dem Trocknen in der Wollmühle in verschieden große Flocken gezupft (oder gerupft?).
Nächster Arbeitschritt: Das Färben.
Die Wolle wird nach alten und teils geheimen Rezepten gefärbt, dann getrocknet und verwolkt. Die nun so entstandene Melangewolle kann nun kardiert und gesponnen werden. Auf Handwebstühlen wird der Tweed auf Harris nach traditioneller Art und Weise nun verwebt. Welch ein Aufwand wird da betrieben.....
Je feiner und weicher der Stoff werden soll, desto zeitaufwendiger sind auch das Spinnen und Weben.
Habt ihr schon einmal im Original gesehen, wie auf einem Handwebstuhl ein Stoff gewebt wird?  Nein?
Dann lohnt es sich, einmal nach einer Möglichkeit zu suchen, um sich dieses alte Handwerk entweder in einer Handweberei die heute noch arbeitet, oder aber in einem Museum einmal anzusehen.
Heute wird ja fast alles industriell hergestellt....kein Wunder, daß die Textilindiustrie in unserem Land nahezu am Ende ist. In der Gegend in der ich lebe, wurden in den vergangenen zwei Jahrzehnten viele, wirklich viele Textilbetriebe dem Erdboden gleichgemacht. Mit anderen Worten: Abgerissen und die Fläche begrünt. Die Menschen, die dort arbeiteten, deren Kinder und auch die Leute, die in mit der Textilindustrie verbundenen Branchen arbeiteten bis hin zur Hochschulausbildung haben nun die Konsequenzen zu tragen.  Ich würde lieber für Textilen nicht nur etwas mehr, sondern einen anständigen Preis  bezahlen, wenn dafür Leute hier bei uns Arbeit hätten, und in Lohn und Brot stehen würden. Mein Kind braucht keine 5 Jacken für "Billig". Zwei Jacken  für einen fairen Preis wären doch auch genug. Eine anziehen, die andere in der Wäsche. So mache ich das auch.
Ich kaufe auch nicht gern bei großen Ketten. Nicht, weil ich die Welt retten möchte (das kann ich sowieso nicht), sondern weil die dort angebotene Kleidung oft seltsam riecht, um das mal vorsichtig auszudrücken. Das kann nicht gut sein. Für niemenden. Weder für die , die die Sachen herstellen, noch für uns, die die Kleidung dann am Körper tragen. Genug gejammert.
Nach diesem kleinen Gedankenausflug zurück zum Traditionellen und zum Tweed.
Tweed gibt es in verschiedenen Gewichtsklassen: Feder-, Leicht- und Standardgewicht.
Falls ihr den Originalen Harris-Tweed kaufen möchtet dann aufgepaßt: Traditionell hat dieser nur eine  Breite von knapp 80 cm. Mittlerweile gibt es ihn aber auch in 1,45m Breite.
Den  letzten  Arbeitsgang bei der Herstellung des Harris-Tweeds darf ich nun nicht vergessen: Nach dem Weben ist der Tweed nämlich noch nicht fertig. Er wird nun erneut gewaschen und gewalkt und von Hand nachbearbeitet.
Besteht der Harris-Tweed alle Qualitätsmerkmale , dann erhält er als Gütesiegel das weltbekannte Gütelsiegel, nämlich das Orb-Zeichen: den roten Reichsapfel. Ihr könnt es euch genau auf meiner neuen Handtasche ansehen...womit wir bei den nächsten Bildern wären.
Also Stoff habe ich in Schottland keinen gekauft. Bei diesen Preisen muß ich genau wissen, was ich nähen möchte und welche Menge ich kaufen muß.
Aber das war nicht schlimm, denn allein das Anschauen der vielen schönen Waren, die in den Geschäften in Schottland ausagen, waren ein Erlebnis.  Schön und interessant auch die Ideen, die ich für künftige Nähprojekte, leider nur in Form von Bildern, mit nach Hause nehme durfte.
Besonders angetan hatten es mir die Handtaschen von Harris-Tweed. Unzählige Modelle, diverse Muster, verschiedene Größen, alles teuer....hm. 


Wir waren im Juli da und mein Mann sah seine Chance, mir vorab mein Geburtstagsgeschenk zu kaufen. Und so kam ich zu dieser Tasche.....meinen Dank an die Schweizerin, mit der ich in Edinburgh ein paar Worte wechselte und die mir die Entscheidung für genau diese Tasche (erstes Foto in diesem Post) dann leicht machte. Das war nämlich die einzige Tasche in diesem Modell und diesem Stoff, die ich während der ganzen Reise sah. Nun ist sie mein.
Naheliegend wäre nun, ein Tweedkostüm, vielleicht sogar mit Schottenrock wie ihr es auch auf den Bildern seht,  zu nähen. Aber vorerst paßt sie auch zu meinen schwarzen Wintermänteln. Nicht alles ist nähbar, schon allein wegen der Zeit. Leider.


Während ich diesen Artikel schrieb dachte ich darüber nach, daß ich mich schon einmal in meinem Leben mit der Herstellung von Wollstoff intensiv befaßt habe (befassen mußte) und darüber auch eine aufwändige Schrift verfaßte. Während das Abiturs hatten wird das Fach WPA. Kenner wissen nun sofort, daß das die Abkürung für Wissenschaftlich-Praktische-Arbeit ist. Heute nennt man das schlichtweg Praktikum. Der Inhalt ist derselbe. Jedenfalls habe ich mein Parktikum=WPA im Textilforschungsinstitut im damaligen Karl-Marx-Stadt gemacht. Seltsam, wie sich manche Dinge im Leben so zutragen.


In Kurzfassung erklärt:
Kammgarne sind glatte, feste Garne mit nur wenig abstehenden Fasern. Der Kammzug entsteht durch Kämmen der Rohwolle, wobei alles Störende aus dem Rohmaterial entfernt wird. Die Fasern
werden dabei parallel ausgereichtet und dann verzwirnt.
Streichgarne dagegen sind ein Produkt aus ungekämmter Rohwolle. Die Wolle wird lediglich gekrempelt, gewissermaßen gewalzt/gekratzt und es wird auf dieser Weise ein Wollvlies hergestellt. Dieses Vlies wird dann bändchenartig in Vorgarn zerlegt und gesponnen.
Nun hoffe ich, daß meine Zeilen  für euch ein bißchen interessant und das eine oder andere vielleicht auch neu war.

Kommentare:

  1. Hör jetzt auf! Wir waren 2002 drei Wochen auf dieser Insel unterwegs mit dem Auto von B&B zu B&B.
    So mega Cool. Wenn ich Deine Bilder sehe...... wir sind bie Dunvengan Castel auf der Isle of Skye gekommen und dann wieder zurück.
    Mit dem Hund können wir nicht so einfach wieder auf die Insel. Aber Schottland und England ist einfach so toll.
    Ich mag auch das Wetter. Besser Kalt und Naß als Schwül und Heiß.
    Original Harris finde ich persl. etwas kratzig, aber gern mit Beimischung. Aber am besten ist ein Mix mit Kaschmir, Angora.
    Wie gesagt ich liebe Wolle! Und ich hoffe ihr wart auch so beeindruckt von der Landschaft.
    Ganz liebe Grüße Anita

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    1. Oh das war bestimmt auch toll! Mir gefällt allerdings das Wetter nicht so gut. Ich habs lieber schön warm. Aber mal so im Urlaub, ist es o.k.. Ich sehe mir unheimlich gerne fremde Länder an.
      Ja, bißchen kratzig ist Harris schon, aber ich denke, man hat was fürs Leben. Wenn einem nicht vorher die Motten was wegfressen...

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