19. September 2015

(M)einTrenchcoat. Der Futterschnitt. Ein Selbstversuch.

Danke für eure ausführlichen Kommentare zu meinem letzten Post. Klares Votum für den Robson Coat, der auch mein Favorit ist.Die Entscheidung ist gefallen: ich nähe den Robson Coat.

Nein, nur mit Schrägstreifen die Nahtzugaben zu versäubern, das macht mich bei einem  Herbstmantel nicht glücklich. Irgendwann werde ich sicher einen Pullover tragen und ohne Futter ....nein, mein Mantel wird ein Futter haben.

Dumm nur, daß der RobsonCoat keinen Futterschnitt dabei hat, also muß die Frau Nähfreundin selber überlegen. Auch eine Art von Gehirnjogging.

Hakuna matata - kein Problem ;-)?!

Es gibt diverse Anleitungen im Netz, wie man sich den Futterschnitt zum Robson Coat "bastelt".
Grundsätzlich muß man aber wissen, worin der Unterschied zwischen  dem Schnitt für den Oberstoff und dem Futterstoff besteht. Dann kann man sich für jedes Jäckchen oder Mantel den Schnitt selbst machen.


Erste Frage: Welche Teile des Schnittes werden für den Futtermantel benötigt?
Antwort: Grundsätzlich alle Teile des Oberstoffes, außer Sattel, Kragenteile, Riegel, Gürtel.

Im Fall des RobsonCoats sieht das nun so aus:
Benötigt werden
Teil 1 = Vorderteile, aha, dafür gibt es bereits einen Schnitt (Teil 12, siehe Anleitung Nr.. 19) , ist damit erledigt

Teil 2 = Rückenteile
Teil 3 = Seitenteile
Teil 4 = Oberärmel
Teil 5 = Unterärmel


Der Kreisausschnitt findet sich in einer weiteren Zeichnung weiter unten im Text wieder.




aus der Anleitung zum RobsonCoat

Ich benötige folglich die gelb markierten Teile. 
Achtung, es hat sich der Fehlerteufel bei mir  eingeschlichen! Teil 13 wird nicht aus Futterstoff zugeschnitten, wir benötigen es aber trotzdem.

Nehmen wir nun einen bereits fertig genähten Mantel (Bild 1).
Das Futter ist nicht direkt am Kragen angenäht, sondern am Besatz. Aha. (Bild 2)


Nächster Denkschritt: Der Besatz, der ja aus Oberstoff zugeschnitten wird, muß also vom Futterschnitt abgezogen werden. 
Nun nehmen wir wieder das oben fälschlicherweise gelb markierte Teil 13:
Teil 13 ist der hintere Besatz, gehört folglich zu Teil 2 ( Rückenteil) und muß beim Futterschnitt abgezogen werden.

Seitenteile? Schneide ich in der Größe des Oberstoffes zu und sehe dann wie es paßt.


Die Ärmel.
Bei den Ärmeln ist es so, daß sie genau so zugeschnitten werden wie der Oberstoff, jedoch 2-3 cm kürzer (Bild 3).
Warum? 
Sehr euch bitte die Zeichnung oder am besten euren Mantel, den ihr sicher schon zuhause habt, einmal an.
An der unteren Saumkante werden der Oberstoff und der Futterstoff zusammengenäht. Schneide ich das Futter nun kürzer zu, dann guckt es mit großer Wahrscheinlichkeit nicht raus. Zumindest in der Theorie klappt das gut ;-)

Diese 2-3-Zentimeter-Längenregel gilt grundsätzlich auch für das Vorder-und Rückenteil (Bild 4).
Ausnahmen bestätigen die Regel.
Wie es hier beim RobsonCoat gehalten ist...keine Ahnung...ich muß Teil 1 (Vorderteil) und Teil 12 (Futter für Vorderteil) in der Länge vergleichen und dann sehen was ich machen werde.




Während ich diesen Post schreibe fällt mir auf, daß man die Abbildung mit dem Kreisauschnitt evtl. falsch verstehen könnte. Natürlich näht man die Naht nicht durch den Oberstoff, gemeint ist die innen liegende Naht, die Ober- und Futterstoff zusammenhält.

Was muß ich noch beachten?
Ja genau, die Bewegungsfalte im Rücken darf man nicht vergessen.
Gut zu sehen bei meinem gekauften Mantel (Bild 5 oben).
Hierzu habe ich  auch eine sehr schöne alte Abbildung gefunden und für euch kopiert.
Die Kopie stammt aus dem nachfolgend noch gezeigten Heftchen  : Ullstein-Schneiderbücher-Band 6, herausgegeben im Jahr 1923. Weltwirtschaftskrise.
Kleine Exkursion in alte Zeiten. Sogar ein Schnittbogen ist dabei.
Wenn ich mal ganz viel Zeit (und Lust ) habe, dann nähe ich mal ein solches Modell von damals.


Haben euch meine Ausführungen gefallen? Habt ihr Fragen?
Immer her damit!
Ich freue mich über jede Frage und jeden Kommentar.

Kommentare:

  1. Gute Entscheidung :-). Siehst du, das mit dem Futter ist gar nicht so schwierig. du hast ja schon alles beachtet. Ich schneide mittlerweile die Futterteile genauso lang zu wie die Oberteile und kürze dann ev. bei Bedarf (meist sind es 1 - 2 cm max.). Ich habe da schon böse Überraschungen erlebt, dass auf einmal das Futter zu kurz war - warum auch immer, ich konnte es mir oft nicht erklären. Jetzt gehe ich lieber auf Nummer sicher.

    So alte Schneiderbücher sind toll! Das sind ja Schätzchen, die man besonders hüten muss! Toll, dass du so was hast!

    LG, Monika

    AntwortenLöschen
  2. Genauso habe ich auch den Futterschnitt erstellt. Einzige Ausnahme: Da das Futter am Saum genauso lang sein muss wie der Mantel ohne Nahtzugabe, damit das Futter leicht Bewegung hat, ohne heraus zu gucken, habe ich einen Trick angewandt (den fand ich auch irgendwo online, weiß nicht genau wo): Ich habe das Futter erst ganz am Schluss auf die richtige Länge gekürzt. Beim Zuschneiden habe ich es genauso lang, wie den Mantel gelassen. Nachdem ich alle Beläge nähte, also das Futter schon an der richtigen Stelle war, wendete ich alles auf rechts. Meine NZ des Mantelsaums war schon umgebügelt. Jetzt kürzte ich das Futter auf die Länge Mantel ohne NZ, der Mantel hing über meiner Schneiderpuppe. Damit war sichergestellt, dass wirklich nichts rausguckte oder nach oben zog. Ich schreibe dass, weil ich froh über diesen Tipp war, denn mein Ärmelfutter musste um mehr als 2,5 cm NZ gekürzt werden und hätte unten raus geguckt.

    Zum Füttern (vor allem der Ärmel) habe ich mich an diesem Video orientiert, hat wunderbar funktioniert:
    https://www.youtube.com/watch?v=MydkLFY4HHQ

    Ich bin froh, dass die Wahl auf den Robson gefallen ist, er hat es verdient, genäht zu werden. Noch vor endgültiger Fertigstellung denke ich schon über ein weiteres Exemplar in warm gefüttert für den Winter und einen in wasserfest ohne Futter für den Frühling nach :D

    Liebe Grüße und viel Erfolg
    Julia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Liebe Julia, Danke für die hilfreichen Tips. Das werde ich mir alles ansehen.

      Löschen
  3. Hallo
    Normalerweise bleibt das Futter so lang wie der Mantel und wird in den Saum genaeht, wodurch es dann eine Falte bildet. Das kann man oft gut an Konfektionsstuecken sehen. Wenn das Futter dennoch zu lang ist, kann man ein paar Stiche in taillienhoehe machen, was das Futter dann ein wenig anhebt.
    Bestens,
    Abbey sews

    AntwortenLöschen

Über Kommentare freue ich mich immer. Auch konstruktive Kritik ist jederzeit willkommen. Danke!

Robe ANNEMARIE von Republique du Chiffon

Voila! Ich präsentiere meine fertige ANNE-MARIE von Republique du Chiffon . Im vorigen Sommer hatte ich begonnen, dieses Deux Pie...