22. September 2014

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Glattbügeln.Ausbügeln.Festbügeln.Abbügeln.Formbügeln. Ist Bügeln gleich Bügeln oder gibt es da Unterschiede?


Natürlich gibt es Unterschiede. Aber worin genau besteht der Unterschied?
Dieser Frage gehe ich heute auf den Grund.

Beim Glattbügeln richtet man die Fasern im Gewebe auf und presst diese.  Dies macht man in der Regel vorm Zuschnitt. Man bügelt den Stoff sozusagen durch, um Liegebrüche und Knitter zu entfernen. Damit ist kurz und knapp auch der Begriff Durchbügeln in der Hobbyschneiderei erklärt. In der industriellen Bekleidungsproduktion wird mit diesem Begriff  auch eine Bügelprobe in der Wareneingangskontrolle verbunden.

Festbügeln, Formbügeln und Ausbügeln sind Arbeiten, die man während der Näherei  ab und an ausführt.

Nähte, deren Nahtzugaben flach liegen sollen, und Nähte an Stellen, an die man später nicht oder nur schwer hernakommt, werden ausgebügelt.
Außerdem sagt schon eine alte Schneiderweisheit "Gut gebügelt ist halb genäht." Anders gesagt: gut ausgebügelte Nähte erleichtern und verbessern die Weiterverarbeitung.
Aber: Viel und vor allem festes Bügeln ist nicht gleich gutes Bügeln!!

Kanten, Falten, Säume und fertige Einzelteile wie z.B.  Kragen, Taschen, Patten werden festgebügelt.
Beim Festbügeln drückt man das Bügeleisen stark auf den Stoff.  Man bügelt zuerst von links  und danach von rechts. Bei nicht völlig unempfindlichen Stoffen sollte man dazu ein Tuch unterlegen, damit sich keine Glanzstellen bilden. Außerdem muß man sehr aufpassen, daß sich die Nahtzugaben etc. nicht durchdrücken. Wir lernen: Vorsicht ist geboten!

Hat man nun dummerweise doch eine glänzende Stelle in den Stoff gebügelt, dann muß man den Stoff Abglanzen. Hach , wieder so ein Fachbegriff ;-)
Auf die Glanzstelle legt man ein feuchtes Tuch und berührt nun vorsichtig mit dem Bügeleisen das feuchte Tuch. Der nun aufsteigende Glanz sollte die Fasern im Gewebe wieder aufrichten .
Hat man einen sehr empfindlichen Stoff, dann sollte man zuerst ein trockenes Tuch auflegen und darauf dann das feuchte Tuch.



Beim Formbügeln bügelt man den Stoff unter Druck und evtl. mit Feuchtigkeit, wie der Name schon sagt, in Form.
Formgebügelt weden in der Schneiderei vor allem die Vorder- und Rückenteile von Jacken und Blazern, aber auch Hosen. Das Formbügeln ist aber ein bißchen aus der Mode geraten, weil der Gebrauch von modernen, gut ausgearbeiteten Schnittmustern ein Formbügeln des Stoffes nicht mehr erforderlich macht. Deshalb sieht man auch in den modernen Nähanleitungen kaum den Begriff des Formbügelns. Ungeachtet dessen kann es ja nicht schaden, wenn man weiß um was es geht.

Das fertig genähte Kleidungsstück wird abgebügelt. Beim Abbügeln wird der Stoff nochmals geglättet, man bügelt außerdem z.B. nochmals die Bügelfalten in die Hosen und beseitigt entstandene Glanzstellen (siehe oben im Text).

Unter Dämpfen versteht man das Glätten des Gewebes ohne Druck.
Man dämpft Gewebe, die mattiert oder aufgerauht sind, d.h., bei denen kleine Faserenden vom Gewebe wegstehen und die nicht angpresst werden dürfen. Das haben wir z.B. bei Samt und Plüsch. Hier wird auf das Gewebe ein feuchtes Tuch gelegt und das Bügeleisen führt man nur ganz vorsichtig über das Gewebe.
Samt kann man bügeln, indem man das Bügeleisen hochkant hinstellt und den angefeuchteten (aber nicht nassen) Stoff an die heiße Sohle des Bügeleisens hält. Durch den aufsteigenden Dampf richtet sich der Flor wieder auf.  Zum Bügeln vom Samt gibt es auch kleine Platten mit Minizähnchen, auf die der Samt beim Bügeln gelegt wird. Aber so etwas hat man in der Regel ja nicht zu Hause.


Vorsicht bei Heftfäden! Sind Heftfäden eingezogen, darf man anfangs nur ganz leicht über den Stoff bügeln und muß dann erst einmal die Heftfäden entfernen. Es gibt Stoffe, bei denen sich die Heftfäden so fest eindrücken, daß sie nicht mehr zu entfernen sind.

Hat man einen sehr empfindlichen Stoff  bei dem sich die Nahtränder durchdrücken, kann man zum Bügeln auch ein Stück Packpapier unterlegen. Klingt seltsam, aber es erleichtert die Arbeit.

Wollstoffe, Mischgewebe und Stoffe mit synthetische Fasern werden grundsätzlich mit einem feuchten Tuch gebügelt. Ist das Tuch noch naß, muß es vorher abgebügelt werden, bevor man es auf das zu bügelnde Kleidungsstück legt.

Neben einem Bügelbrett sollte man ein Ärmelbrett besitzen.
Hilfreich ist auch ein Bügelkissen.
Wer oft filigrane Bügelarbeiten hat oder sich ein bißchen Luxus beim Bügeln gönnen will, der darf sich ein Minibügeleisen mit diversen Bügelspitzen leisten.Den Link , woman so etwas kaufen kann, füge ich bei Gelegenheit hier noch ein.

Für alle Interessierten gibts zum Schluß noch einen kleinen Ausflug in die Jahre 1908 und 1923. Viel Freude!

Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908




















Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908



















Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908




Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908


Quelle:" Ich kann schneidern", Ullstein & Co, Berlin und Wien 1908

Quelle: Ullstein-Schneiderbücher, Band 6, "Wie schneidere ich Jackenkleider und Mäntel", Berlin 1923

Quelle: Ullstein-Schneiderbücher, Band 6, "Wie schneidere ich Jackenkleider und Mäntel", Berlin 1923

Quelle: Ullstein-Schneiderbücher, Band 6, "Wie schneidere ich Jackenkleider und Mäntel", Berlin 1923

Schere

6 Kommentare

  1. Hach, das ist ja eine schöne Übersicht, vielen Dank!
    Herzliche Grüße
    Sabine

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  2. Ich habe deinen Beitrag sehr gerne gelesen! Leider hat er mich daran erinnert, dass ich nun vom Computer aufstehen sollte um einen Wäschekorb voll zu bügeln. Ich lese eindeutig lieber drüber, als dass ich es tue :)
    glg Petra

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  3. Oh.... ich liebe das Bügeln! Toller Beitrag! Danke Dir!.
    Die alten Fotos sind ja klasse. Die kannten da noch nicht STRETCH:)
    LG Anita

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    1. Ha! Du liebst Bügeln?? Da komme ich vorbei. mit zwei Wäschekörben voll mit Herrenhemden ....;-))

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    2. Ja, mach das! Jetzt ist es nicht so heiß daher sehr gern. Im Sommer hätte ich schon gern eine Klimaanlage, aber sonst immer und jede Zeit. Meine Bügelstation habe ich mir, weil ich so viel Hemden für meinen Mann bügel gekauft, erst dann habe ich mit dem Nähen begonnen. Da war ich aber schon froh ein "gutes" Eisen zu besitzen :)))

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